Wie beeinflusst der Vertikalisierungswinkel die Fuß- und Kniebelastung? Und welche Rolle spielen dabei die Hüft- und Kniebeugung?
Diesen Fragen widmete sich unser Außendienstleiter René Althaus, MSc, in seiner Masterthesis im Studiengang Neuroorthopädie – Disability Management an der Universität für Weiterbildung Krems. Gemeinsam mit der Orthopädin Dr. Eva M. Steindl, MSc, hat er die Ergebnisse inzwischen in zwei Artikeln in der internationalen Fachzeitschrift Children veröffentlicht.
Untersucht wurden 26 Kinder und Jugendliche mit schwerer Cerebralparese im Alter von 6 bis 17 Jahren (GMFCS-Level IV: 9, Level V: 17) im Stehtrainer till. Gemessen wurde, wie stark Knie und Füße während des unterstützten Stehens belastet werden und welchen Einfluss der Vertikalisierungswinkel sowie unterschiedliche Hüft- und Knieflexionswinkel haben.
Führt eine zunehmende Beugung von Hüfte und Knie automatisch zu einer höheren oder niedrigeren Kniebelastung?
Mit zunehmender Vertikalisierung steigt die Kniebelastung. Selbst bei vollständiger Aufrichtung auf 90° blieb sie jedoch in allen untersuchten Positionen unter 50 % des Körpergewichts. Der Zusammenhang zwischen Gelenkstellung und Kniebelastung ist zudem nichtlinear: Eine leichte Hüft- und Knieflexion führt nicht zwangsläufig zu einer höheren Kniebelastung. (Children 2026;13(4):497)
Führt eine zunehmende Aufrichtung automatisch zu einer höheren Fußbelastung?
Der Vertikalisierungswinkel bestimmt maßgeblich, wie stark die Füße belastet werden. Bereits bei 60° wurden in den meisten untersuchten Gelenkstellungen mehr als 70 % des Körpergewichts über die Füße aufgenommen. Eine Beugestellung von Hüfte und Knie führt dabei nicht automatisch zu einer geringeren Fußbelastung. (Children 2026;13(3):346)
Bedeutung für die Praxis:
Die Studie zeigt, dass unterstütztes Stehen für Kinder und Jugendliche mit Cerebralparese auch dann sinnvoll sein kann, wenn Hüft- und Kniebeugekontrakturen vorliegen. Entscheidend sind eine individuelle Positionierung und Anpassung des Stehtrainers. Flexibel einstellbare Kniepelotten etwa verteilen den Druck gezielt, vermeiden Druckspitzen und ermöglichen so ein sicheres Stehtraining.
Für uns ist das ein wichtiges Signal. Denn Hilfsmittel sollen nicht nur versorgen. Sie sollen Entwicklung ermöglichen, Potenziale sichtbar machen und Kinder auf ihrem Weg zu mehr Aktivität und Teilhabe begleiten. Umso wichtiger ist es uns daher, unsere Produkte evidenzbasiert (weiter-)zuentwickeln und die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden zu fördern.